Leserbrief zum Artikel „Die Zeichen stehen auf Abzug“ in der F.A.S.

Sehr geehrter Herr Eichhorn,

in Ihrem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 4. Juni 2017 schreiben Sie über den Abzug der Bundeswehr aus Incirlik und den Versuch der Bundesregierung diesen immer wieder hinauszuzögern: „Womöglich kommt Erdogan daher in letzter Sekunde auf einen alten Vorschlag zurück, den die Deutschen ihm einmal gemacht hatten. Der sieht so aus: Es gibt bestimmte türkischstämmige Bundestagsabgeordnete, die der Türkei besonders unlieb sind. Zum Beispiel Sevim Dagdelen von den Linken. Sie macht keinen Hehl aus ihrer Nähe zur kurdischen Terrororganisation PKK.“ 

Für den Vorschlag, bestimmten Abgeordneten das Besuchsrecht zu verweigern, gibt es allerdings nur eine einzige öffentliche Quelle und dies sind nicht „die Deutschen“, wie Sie schreiben, sondern es war die türkische Regierung. Zudem versuchen Sie mich im Stil des Erdogan-Regimes als Abgeordnete zu stigmatisieren, die „keinen Hehl aus ihrer Nähe zur kurdischen Terrororganisation PKK“ mache. Woher nehmen Sie diese faktenferne Behauptung? Schlussfolgern Sie dies, weil ich mich seit Jahren für eine politische Lösung des Kurdenkonflikts einsetze oder missfällt Ihnen, dass ich die Strategie der Erdogan-Regierung öffentlich angreife, nach der jeder ihrer Kritiker als PKK- oder Gülennah diffamiert wird? Kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung, weil ich Gewalt als Mittel der Politik ablehne? Schreiben Sie dies in denunziatorischer Absicht, weil ich die kurdische Selbstverteidigung gegen islamistische Terrormilizen wie den barbarischen IS in Syrien und im Irak für legitim halte?

Es ist Ihnen vielleicht nicht klar, welche Folgen Ihre Übernahme der Feinderklärungen Erdogans haben. Deshalb möchte ich Ihnen dies ausdrücklich darlegen: Sie machen mich mit Ihren Zuschreibungen zur Zielscheibe von Attacken der nationalistischen und islamistischen Anhänger Erdogans. Sie rechtfertigen durch Ihre Einkehr in diese Art der faschistischen Stigmatisierung Andersdenkender implizit auch die Einkerkerung kritischer Journalisten wie Deniz Yücel, die unter dem Vorwurf der PKK-Nähe in der Türkei festgehalten werden.

Bei allen Angriffen, die es gegen Erdogan-Kritiker in Zukunft geben wird, werden Sie sich jedenfalls die zweifelhafte Ehre an die Brust heften können, zumindest bei der Legitimierung mitgetan zu haben.

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