Pressestatement nach Besuch bei Julian Assange

Sevim Dagdelen und Heike Hänsel, Mitglieder des Deutschen Bundestages und stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, haben am heutigen Donnerstag, 20.12.2018, den Publizisten und Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, in der Botschaft von Ecuador in London besucht. Danach erklärten sie:

Zunächst möchten wir der Botschaft von Ecuador danken, dass sie uns diese Begegnung mit Julian Assange ermöglicht hat, nachdem er acht Monate lang isoliert worden war. Über sechs Monate haben wir um eine Besuchserlaubnis ersucht. Es war bewegend, Julian Assange Freude über unseren Besuch nach einer so langen Zeit der Isolation zu sehen. Und die Isolation dauert an: 80 Prozent seiner Zeit ist er isoliert.

Wir haben Julian Assange die solidarischen Grüße der Linken und die Solidarität der vielen Unterstützer aus Deutschland übermittelt. Die friedliebenden und freiheitsliebenden Menschen in Deutschland und der ganzen Welt sind Herrn Assange zu Dank verpflichtet. Er hat dazu beigetragen, die Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan und illegale Machenschaften der Geheimdienste ans Licht zu bringen, vor allem der CIA. Er hat uns die Augen dafür geöffnet, wie schmutzig und blutig diese Kriege waren und sind, und wie sehr wir von unseren Regierungen getäuscht wurden. Er verdient unsere Solidarität.

Julian Assange war sehr erfreut über unseren Besuch. Es ist der erste Besuch von Abgeordneten nach einer monatelangen Besuchssperre seit März. Wir würden es sehr begrüßen, wenn mehr Kollegen aus anderen Ländern nach London kämen und sich für eine humanitäre Lösung für diese Situation einsetzten. Wir als Parlamentarier sollten von unseren Regierungen verlangen, dass gehandelt wird. Leider hat die deutsche Regierung bislang nichts unternommen, um eine Lösung zu finden. Das haben wir gegenüber Julian Assange bedauert. Wir rufen Abgeordnete aus dem vereinigten Königreich und anderen europäischen Staaten auf, sich für eine humanitäre Lösung einzusetzen.

Der Kampf um ein Ende der Gefangenschaft von Julian Assange ist zugleich ein Kampf gegen den Versuch der US-Regierung und -Justiz, eines Publizisten in Europa habhaft zu werden, der in Europa publiziert hat. Wir verwahren uns gegen diese extraterritoriale politische Verfolgung über internationale Grenzen hinweg. Es kann nicht akzeptiert werden, dass die USA ihre Unrechtsgesetze gegenüber Whistleblowern auch in Europa durchsetzen.

Wir sind sehr froh, dass Julian Assange weiter optimistisch und guten Mutes ist, obwohl er sich seit mehr als sechs Jahren in einer solch schwierigen Lage befindet. Wir meinen übereinstimmend, dass der Schlüssel bei der britischen und ecuadorianischen Regierung liegt und sie diplomatische Zusicherungen gegen eine Auslieferung an die USA geben müssen.

Im Fall einer Beendigung des Botschaftsasyls durch die Behörden Ecuadors droht Julian Assange eine Verhaftung in Großbritannien und eine Auslieferung an die USA, wo Julian Assange eine langjährige Freiheitsstrafe oder gar die Todesstrafe erwartet.

Wenn jemand an ein Land ausgeliefert werden soll, wo ihm wegen seiner politischen Betätigung das Todesurteil droht, so reicht dies nach internationalem Recht zweifellos aus, ihm den Flüchtlingsstatus zu gewähren. Artikel 33 der Genfer Flüchtlingskonvention verbietet den Vertragsstaaten ausdrücklich, einen Flüchtling über die Grenzen von Gebieten auszuweisen oder zurückzuweisen, „in denen sein Leben oder seine Freiheit wegen […] seiner politischen Überzeugung bedroht sein würde.“

Wir möchten deshalb der ecuadorianischen Regierung danken, dass sie Julian Assange im Jahr 2012 politisches Asyl in ihrer Botschaft gewährt hat, um die Rede- und Pressefreiheit zu verteidigen. Wir bauen darauf, dass die neue Regierung unter Präsident Lenín Moreno die Gesundheit und Sicherheit von Julian Assange im Botschaftsasyl weiterhin gewährleistet.

Julian Assange und Wikileaks haben Geschichte geschrieben. Wir sind moralisch verpflichtet, Kriegsverbrechen zu verhindern und Kriegsverbrechen aufzudecken, indem wir darüber informieren. Dies haben Assange und Wikileaks getan. Und dafür verdient Assange Preise, keine politische Verfolgung und keinen Prozess.

Zu unseren nächsten Schritten in diesem Fall wird gehören, die internationale Solidarität von Parlamentariern mit Assange und damit der Pressefreiheit zu stärken. Denn hier geht es nicht um die Person Assange. Hier geht es um das Recht auf Veröffentlichung von Informationen im Interesse der Öffentlichkeit. Es geht um unsere Demokratie. Deswegen haben 36 Parlamentarier aus fast einen Dutzend EU-Staaten einen Brief an UN-Generalsekretär António Guterres, die britische Premierministerin Theresa May und Ecuadors Präsident Lenín Moreno gesendet.

Wir fordern Bundesaußenminister Heiko Maas auf, Haltung zu zeigen und sich für die Gesundheit und Sicherheit von Julian Assange einzusetzen. Julian Assange hat durch die Enthüllung geheimer Dokumente unter anderem Verbrechen der US-Armee im Irak-Krieg publik gemacht, von dem sich auch die damalige SPD-geführte Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder distanziert hatte.

London, 20. Dezember 2018


German MPs Heike Hänsel and Sevim Dagdelen, deputy chairwomen of the parliamentary group DIE LINKE in the German parliament, visited today publisher and WikiLeaks founder Julian Assange in London. After the meeting in the Ecuadorian embassy, they said:

First of all, we would like to Thank the embassy of Ecuador for the permission zu meet Julian Assange after he has been isolated about 8 months. We are trying to get a permission since six month. It was moving see Julian Assange so happy about the visit after such a Long time of Isolation. And the Isolation is still going on because 80 Percent of the time he is isolated.

We have conveyed to Julian Assange the solidarity greetings of the Left Party and the solidarity of the many supporters from Germany. The people in Germany and throughout the world are indebted to Mr Assange. He has contributed to bringing to light the war crimes in Iraq and Afghanistan and the illegal activities of the secret services, particularly the CIA. He has opened our eyes to how dirty and bloody these wars were and are, and how much we have been deceived by our governments. He deserves our solidarity.

Julian Assange was very pleased with our visit. This is the first visit by Members since March after months of suspension. We would very much like more colleagues from other countries to come to London and work for a humanitarian solution to this situation. As parliamentarians, we should ask our governments to act. Unfortunately, the German Government has so far done nothing to find a solution. We have regretted this to Julian Assange. Also, we call on fellow MPs in the UK and across Europe to work for a humanitarian solution.

The fight for an end to the imprisonment of Julian Assange is at the same time a fight against the attempt of the US government and legal authorities to get hold of a journalist in Europe who has published in Europe. We oppose this extraterritorial political persecution across international borders. We cannot accept that the USA should enforce its laws against whistleblowers in Europe as well.

We are very pleased that Julian Assange is still optimistic and in good spirits, even though he has been in such a difficult situation for more than six years. We agree that the British and Ecuadorian governments can find a solution and provide diplomatic assurances against extradition to the US.

If the Ecuadorian authorities end the embassy asylum, Julian Assange could be arrested in the UK and extradited to the US, where he would face a long prison sentence or even the death penalty.

If someone is to be extradited to a country where he is facing a death sentence because of his political activities, it is undoubtedly sufficient under international law to grant him refugee status. Article 33 of the Geneva Convention expressly prohibits States Parties from expulsion or rejection of a refugee across the borders of territories “where his life or freedom would be threatened because of his political convictions”.

We would therefore like to thank the Ecuadorian government for granting political asylum to Julian Assange in its embassy in 2012 to defend freedom of speech and freedom of the press. We trust that the new government under President Lenín Moreno will continue to ensure the health and safety of Julian Assange in embassy asylum.

Julian Assange and Wikileaks made history. We have a moral obligation to prevent war crimes and uncover war crimes by informing. This is what Assange and Wikileaks have done. And for that Assange deserves a prize, no political persecution and no trial.

Our next steps in this case will include strengthening the international solidarity of parliamentarians with Assange and thus the freedom of the press. Because this is not about the person of Assange. This is about the right to publish information in the public interest. It is about our democracy. Therefore, 36 MPs from nearly a dozen European countries have written to U.N. General Secretary António Guterres, Britisch Prime Minister Theresa May and Ecuadorian President Lenín Moreno.

We call on German Federal Foreign Minister Heiko Maas to show his attitude and to stand up for the health and safety of Julian Assange. By revealing secret documents, Julian Assange made public crimes committed by the US Army in the Iraq war, from which the then SPD-led Federal Government under Chancellor Gerhard Schröder had also distanced itself.

London, 20th December 2018

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