Aufarbeitung der deutschen Kolonialherrschaft in Tansania

Bei der Aufarbeitung von deutschen Kolonialverbrechen in Tansania geht es kaum voran. Vor dem Hintergrund der Äußerung von Baerbock im Zusammenhang mit der Vorstellung des Sammelbandes „Das Auswärtige Amt und die Kolonien“ in Berlin, dass ein selbstkritischer Umgang mit der kolonialen deutschen Vergangenheit Voraussetzung für Sicherheitspartnerschaften mit Ländern des globalen Südens sei, ist die Antwort doch ernüchternd. „Es ist ein Armutszeugnis, dass die Bundesregierung weiterhin nicht bereit ist, den Völkermord des Deutschen Reiches in Tansania beim Namen zu nennen und anzuerkennen“, sagt MdB Sevim Dagdelen anlässlich der Antwort der Bundesregierung auf ihre parlamentarische Anfrage.


Foto: „Bundesarchiv Bild 183-R19361, Deutsch-Ostafrika, Deutsches Feldgeschütz“ by UnknownUnknown is licensed under CC BY-SA 3.0. To view a copy of this license, visit https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en/?ref=openverse. Unverändert.


Schließt die Frage, wie die „dunkle Geschichte Deutschlands in Tansania weiter gemeinsam aufgearbeitet“ werden kann, die die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Katja Keul, mit Regierungsvertretern und Nachfahren der Opfer im Rahmen ihrer Reise vom 29. Februar bis 4. März 2024 nach Tansania besprechen wollte (www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/-/2646872), auch gegebenenfalls in Abstimmung mit und im Einverständnis mit der Regierung Tansanias die Prüfung einer Wiedergutmachung für die strukturellen Folgen der deutschen Kolonialherrschaft bzw. von Entschädigungszahlungen an die Nachfahren der Opfer mit ein, und plant die Bundesregierung proaktiv eine Anerkennung der in Phasen des Kolonialkrieges in „Deutsch-Ostafrika“ verübten abscheulichen Gräueltaten als aus heutiger Perspektive verübte Kriegsverbrechen und Völkermord unabhängig von den Erwartungen und Bedürfnissen der tansanischen Seite (vergleiche Antwort der Bundesregierung zu Frage 2 der Kleinen Anfrage der damaligen Fraktion Die Linke auf Bundestagsdrucksache 20/8098)?

Antwort der Staatsministerin Dr. Anna Lührmann:

Die Bundesregierung stellt sich der moralischen und politischen Verantwortung, die aus den durch deutsche Kolonialtruppen verübten Verbrechen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika resultiert. Staatsministerin Katja Keul hat in ihrer Rede am 2. März 2024 in Tansania gegenüber den Nachfahren koloniales Unrecht anerkannt und hierfür um Vergebung gebeten. Darüber hinaus hat sie sowohl mit Regierungsvertreterinnen und -vertretern als auch mit Nachfahren von Opfern über den deutschen Wunsch, die koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten, gesprochen.

Die tansanische Regierung hat sehr deutlich gemacht, dass Gespräche dazu ausschließlich über die tansanische Regierung laufen werden, dort aber noch interne Koordinierung geleistet werden müsse, ehe mit der Bundesregierung das Gespräch tatsächlich aufgenommen werde.

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