Budapest: Angela Merkel heißt jetzt Donald Trump

Als Trump das Treffen in Budapest platzen ließ, jubelten Berlin und Brüssel: EU und Deutschland treiben ein riskantes Programm voran – Energie-Exportstopp, Zwangsanleihe und ein Wirtschaftskrieg, der Europa mehr schadet als Russland. Kolumne von Sevim Dagdelen im Overton-Magazin vom 22. Oktober 2025.

In Berlin und Brüssel brach Jubel aus, als die Nachrichten vom abgesagten Treffen zwischen Trump und Putin in Budapest eintrafen. In den Tagen zuvor war in Europa bereits alles auf ein Scheitern der Verhandlungen ausgerichtet worden. Die Strategie der Trump-Administration ging jedoch nicht auf. So sollten die Europäer die Dinge eskalieren, während sich die US-Amerikaner als good cop, als guter Polizist, präsentierten. Dabei ist bemerkenswert, wie eng hier EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Friedrich Merz harmonieren.

Auf Initiative der deutschen Bundesregierung beschloss die große Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten, ab 2028 kein russisches Gas mehr zu importieren. Man muss wissen, dass nach der Kappung des Gases über Pipelines aus Russland durch den Terroranschlag auf Nord Stream sowie die EU-Sanktionen der Import russischen Flüssiggases eine Art Notanker für die europäischen Volkswirtschaften blieb. Diesen Notanker will man jetzt kappen. Die augenscheinlichen Konsequenzen eines weiteren Preisanstiegs bei Energie für Unternehmen und Verbraucher versucht die Bundesregierung derweil herunterzuspielen. Allein reden hilft hier nicht, während bereits jetzt der Niedergang der deutschen Industrie durch die hohen Energiepreise beschleunigt wird.

Zwangsanleihe und Rechtsbruch

Die zweite Idee aus dem Hause Merz/von der Leyen, gegen Russland vorzugehen, war die Ausstellung eines Zwangskredits in Höhe von 140 Milliarden Euro für die Ukraine und ihre Kriegsführung. Dabei griff man auf die Idee einer Zwangsanleihe zurück, die mit eingefrorenem russischem Vermögen abgesichert werden soll. Ein klassischer Raub, der seine Vorbilder etwa in der NS-Zwangsanleihe der Reserven der griechischen Zentralbank 1942 hat, mit der der Afrikafeldzug finanziert werden sollte. Eine Rückzahlung hat damals selbstverständlich nie stattgefunden, auch wenn dies die griechische Regierung nach 1945 eingefordert hatte. Auch diesmal scheint eine Rückzahlung der 140 Milliarden durch die Ukraine denkbar unwahrscheinlich. Die Verrechnung mit russischem Vermögen könnte für Europa sehr schnell zu einem brutalen Erwachen führen, da bereits jetzt Maßnahmen im Rahmen der Gegenseitigkeit zu erwarten sind.

Die Kriegskredite sind ein eklatanter Bruch des Völkerrechts, und das Risiko tragen die Steuerzahler in Europa. Allein für Deutschland sind es 35 Milliarden Euro. Der Versuch, Russland doch noch ruinieren zu können, beschleunigt den eigenen Ruin. Denn durch die Zwangsanleihe droht dem Finanzplatz EU ein massiver Vertrauensentzug. Wer legt schon gern sein Geld bei einem Räuber an? Es wäre höchst vermessen zu glauben, die selbstzerstörerischen Maßnahmen wären nicht mit den USA koordiniert, wenn nicht gar von ihnen initiiert. Die USA setzen auf die Beschleunigung der Sanktionen ihrer Vasallen. Deren Selbstschädigung nützt den USA auch ökonomisch, indem sie als industrielle Konkurrenten ausgeschaltet werden und zugleich als idealer Absatzmarkt für teures US-Fracking-Gas erscheinen.

Europas Absturz im Schatten der USA

Was die Verhandlungsbereitschaft der USA mit Russland angeht, ist diese nicht wirklich ernst zu nehmen. Denn es scheint wie bei Minsk nur darum zu gehen, der Ukraine in einer schwierigen militärischen Lage eine Atempause für eine erneute Aufrüstung durch die NATO und die Europäer zu geben. Nur dass Angela Merkel jetzt Donald Trump heißt. Geblieben ist das Programm, die Russen hinters Licht führen zu wollen. Gerade eine Neutralität der Ukraine soll offenbar nicht verhandelt werden können. Während die USA zumindest eine klare Strategie haben, was sie wollen, taumeln die Europäer dem Abgrund entgegen. Verwundert reiben sie sich jetzt die Augen, dass nach der Kontrollübernahme des chinesischen Chipherstellers Nexperia durch die Niederlande weniger Chips aus China bei den Autoherstellern in Europa landen.

Ja, wie dumm ist man eigentlich, möchte man fragen? Die dümmsten Eliten der Welt aber wollen ihre Bevölkerungen ruinieren und den eigenen Kontinent. Für Deutschland gilt bei diesem Wirtschaftskrieg im Interesse der USA bereits jetzt das Wort des Dichters Bertolt Brecht:

„Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.“


Quelle: Overton Magazin

Foto: Tomas Ragina/Shutterstock.com

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