Das US-Vasallenverhältnis als Schicksalsfrage für Deutschland
Trumps globale Strategie zwingt Europa in den Wirtschaftskrieg – und in den eigenen Niedergang. Kolumne von Sevim Dagdelen im Overton-Magazin vom 15. Oktober 2025.
Die globale Strategie von US-Präsident Donald Trump liegt auf der Hand. Auf der einen Seite soll die Gefahr der Überspannung für die USA durch einen Vier-Fronten-Krieg (Russland, China, Nahost, Lateinamerika) vermieden werden, auf der anderen Seite eskaliert Trump die Lage in Lateinamerika und durch einen Wirtschaftskrieg gegenüber China. Die in der NATO und durch bilaterale Sicherheitsabkommen an die USA gebundenen Verbündeten sollen dabei die Hauptlast eines Entsatzes für die USA tragen – Deutschland gegenüber Russland und Japan gegenüber China. Zusätzlich gibt es den Versuch, den Nahost-Konflikt einzufrieren.
Jetzt haben die USA gegenüber China 100 Prozent neue Strafzölle für den 1. November 2025 angekündigt. Auch wenn kurz darauf die Androhung wieder relativiert wurde, scheint es das Ziel zu sein, die chinesische Wirtschaft ins Straucheln zu bringen, indem der US-amerikanische Markt für chinesische Waren eine No-Go-Zone wird. Bereits jetzt schrumpft der Handel Washingtons mit China erheblich. So sanken die Exporte im September um 27 Prozent, die Importe um 16,1 Prozent.
China ist allerdings auf diesen totalen Wirtschaftskrieg vorbereitet und steigerte seine Exporte im September ganz erheblich. So legten die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,3 Prozent auf 328,6 Milliarden US-Dollar zu. Die Importe stiegen ebenfalls signifikant um 7,4 Prozent an. Ein Gutteil der forcierten Handelsbeziehungen jenseits der USA findet zwischen der EU und China statt. Doch die USA drängen darauf, dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten eine Vorreiterrolle bei der Zerstörung der Handelsbeziehungen zu China einnehmen.
Europa zwischen Abhängigkeit und Eskalation
So haben die Niederlande jetzt die Kontrolle über Nexperia übernommen, das dem chinesischen Staatskonzern Wingtech gehört. Nexperia stellt für die Autoindustrie unverzichtbare Chips her. Man wolle verhindern, so die niederländische Regierung, dass diese Technologien im Notfall nicht weiter zur Verfügung stehen würden. Die Enteignung der chinesischen Firma könnte der Startpunkt sein, Peking zu Gegenmaßnahmen zu bringen und einen europäisch-chinesischen Handelskrieg vom Zaun zu brechen, an dessen Ende allein die geopolitischen Ambitionen der USA profitieren würden, während Europa nach den verheerenden Russland-Sanktionen einen weiteren Schritt in die Zerstörung seines industriellen Wohlstands gehen würde.
Auch wenn die Übernahme der Kontrolle nur temporär sein soll, so kann die Maßnahme dennoch als Versuch gelten, sich durch Raub und Enteignung ausländischen Kapitals geopolitische Vorteile zu verschaffen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Strategie aufgeht, da sie nicht mit der Gegenseitigkeit von Maßnahmen zu rechnen scheint und ein deutliches Signal an die Welt sendet, dass Europa bereit ist, den Überfall als politische Strategie zu verallgemeinern.
Klar ist auch hier: Die Europäer sollen die Hauptlast im Wirtschaftskrieg mit China tragen. Die Sanktionen gegen Russland sind hier offenkundig das Vorbild. Europa würde sich damit endgültig in eine US-Brückenkopf-Strategie einschreiben und am Ende wegen des eigenen Vasallenstatus den Niedergang des Kontinents beschleunigen. Deutschland gehört dabei zur Avantgarde des Abstiegs. Die reale Produktion der deutschen Industrie ging im August 2025 gegenüber Juli um sage und schreibe 5,6 Prozent zurück. Wenn die Europäer erst noch auf Geheiß Trumps die Verbindung zum chinesischen Markt kappen, dürfte es kaum noch ein Halten nach unten geben.
Die Frage der Fortführung des Vasallenverhältnisses zu den USA wird zur Existenzfrage für die Menschen in Deutschland.
Quelle: Overton-Magazin
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