50-Tage-Ultimatum von Trump

Der US-Präsident droht mit einem totalen Wirtschaftskrieg gegen Russland und die BRICS-Staaten. Und die Bundesregierung erklärt sich bereit zur Konfrontation. Wird am 1. September wieder einmal „zurückgeschossen“? Kolumne von Sevim Dagdelen im Overton-Magazin vom 16. Juli 2025.

Seit Donald Trump beschließt, die Frage der sogenannten Epstein-Liste herunterzuspielen, wirkt der US-Präsident wie verwandelt. Fast nichts erinnert mehr an die Friedensversprechen seines Wahlkampfs, die sicherlich einen Teil seiner Anhängerschaft dazu bewegten, für ihn zu stimmen. Nun droht Trump Russland und dessen Handelspartnern mit neuen Wirtschaftssanktionen. Er verbindet dies mit einem Ultimatum: Er werde „Sekundärzölle“ erheben, wenn Moskau nicht innerhalb von 50 Tagen einem Waffenstillstand im Ukraine-Krieg zustimmt. Es geht dabei um Zölle „in Höhe von rund 100 Prozent“.

Das 50-Tage-Ultimatum bedeutet nichts anderes, als einen totalen Wirtschaftskrieg gegen Russland und dessen Handelspartner wie China, Indien und Brasilien beginnen zu wollen, sollte sich Moskau nicht den Washingtoner Vorgaben beugen. Es stellt eine Rückkehr Trumps zur Russlandpolitik seines Vorgängers Joe Biden dar.

Drei gravierende Unterschiede zeichnen sich jedoch ab: Zum einen erhöht der Westen seinen Einsatz massiv, zugleich versucht Trump, den eigenen Stellvertreterkrieg gegen Russland von den Europäern – und vor allem den Deutschen – führen zu lassen. Und die US-Waffenlieferungen werden nunmehr von den Europäern finanziert. Trump erfüllt damit zumindest sein Wahlversprechen, die USA finanziell von der westlichen Ukraine-Hilfe freizustellen und – wie beim Rohstoffdeal mit Kiew – materielle Vorteile für die USA aus ihren Stellvertreterkriegen zu ziehen. Die Finanzierung der Ukraine-Waffen durch die Europäer ist jedenfalls ein grandioses Geschenk an die US-Rüstungsindustrie, deren Profite nun direkt von den europäischen Steuerzahlern genährt werden.

US-Präsident Trump gelingt es damit, in weit höherem Maße als seinen Vorgängern, die US-Politik globaler Hegemonie von den eigenen Verbündeten bezahlen zu lassen. Zugleich wird deutlich: Der Status der Verbündeten entspricht nichts anderem als einem Vasallenstatus. Sie sind in gewissem Sinne sogar tributpflichtig gegenüber Washington geworden.

BRICS vs. G7: Der neue globale Machtkampf 

Mit der Drohung eines Welthandelskriegs gegen die zentralen BRICS-Staaten wirft Trump das gesamte wirtschaftliche Gewicht der USA in die Waagschale. Wenn dieser Coup jedoch nicht funktioniert und sich die BRICS-Staaten der Erpressung kolonialen Ausmaßes durch die USA nicht beugen, steht der Kaiser nackt da – der Hegemonie, die auf Konsens und Zwang beruht, droht eine rasche Erosion. Trump scheint diesen Druck, gewinnen zu müssen, deutlich zu spüren. Anders lassen sich die apokalyptischen, durchgestochenen Drohungen, Moskau oder Peking bombardieren zu wollen, sowie angebliche Verabredungen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Moskau und St. Petersburg mit US-Waffen anzugreifen und Mittelstreckenraketen „Made in USA“ für eine maximale Eskalation einzusetzen, kaum erklären.

Trump geht All-in, um seinen Gegner im globalen Lastwagenrennen in den Graben zu zwingen. Doch die Hoffnung, dass Moskau, Peking, Neu-Delhi und Brasília nach Ablauf der 50 Tage am 1. September 2025 als Erste zucken, könnte sich als trügerisch erweisen. Die BRICS-Staaten wirken inzwischen deutlich stärker als die G7. Dann jedoch bleibt in der neuen Logik des US-Präsidenten nur das grüne Licht für eine direkte militärische Konfrontation – bei der die Vasallen die Hauptlast tragen müssen.

Die deutsche Bundesregierung sendet bereits deutliche Signale aus, dazu bereit zu sein. Deutsche Generäle erklären in Kampfuniform von Kiew aus, Russland tief im Hinterland angreifen zu wollen, und Boris Pistorius spricht bereits die Sprache der verlorenen Weltkriege. „Die Bundeswehr ist bereit, russische Soldaten zu töten“, erklärt der deutsche Verteidigungsminister.

Gefährliche Selbsttäuschung in Berlin

So entsteht aus der blutigen Tragödie der Vergangenheit womöglich eine nicht minder grauenhafte Farce der Gegenwart. In der Hundepsychologie kann ein Hund an der Leine sich für seinen Herrn halten – oder zumindest für dessen Fortsetzung. Die deutsche Außenpolitik der Bundesregierung scheint genau in dieser Hundepsychologie gefangen zu sein. Sie verwechselt sich mit der Großmacht USA, setzt sich der Gefahr permanenter Selbstüberschätzung aus, glaubt, eine Atommacht herausfordern zu können, und verdrängt den Gedanken, dass sie möglicherweise lediglich benutzt wird, um fremden Interessen zu dienen. Dabei läuft sie Gefahr, wie man im Englischen so treffend sagt, am Ende von ihrem eigenen Herrn „unter den Bus geworfen zu werden“.

Es wäre jedenfalls verheerend, wenn am 1. September wieder „zurückgeschossen“ wird.


Quelle: Overton-Magazin

Foto: President Of Ukraine from Україна, CC0, via Wikimedia Commons

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