Merz‘ Vabanquespiel mit dem Taurus
Das Problem der designierten Bundesregierung unter Friedrich Merz ist, dass die Kriegsbesoffenen mit dem Leben der Bevölkerung in Deutschland spielen. Kolumne von Sevim Dagdelen im Overton-Magazin am 15. April.
Ein Spieler, der am Roulette-Tisch kontinuierlich verliert, versucht am Ende doch noch mit einem Gewinn aus dem Spiel herauszukommen und setzt auf eine All-In-Strategie. Alles, was ihm noch verblieben ist, wird jetzt eingesetzt – allerdings mit dem entsprechend hohen Risiko, im Fall des Falles alles zu verlieren. Wenn wir uns die deutsche Politik anschauen, scheint es hier einen solchen Spieler zu geben: Dieser Spieler ist der Bundeskanzler in spe Friedrich Merz.
Merz hat erklärt, den Taurus in Abstimmung mit europäischen Verbündeten an die Ukraine liefern zu wollen. Mit dem Lenkwaffensystem könnte die Ukraine dann in Zukunft auch Ziele in Moskau präzise treffen, denn der Taurus verfügt im Vergleich zu ähnlichen Waffensystemen über eine Reichweite von 500 Kilometern – und eignet sich auch aufgrund seiner Treffsicherheit gegen Kommandoeinrichtungen für so genannte Enthauptungsschläge. Merz hatte die Tauruslieferungen für Angriffe auf Nachschublinien in Aussicht gestellt, etwa die Brücke von Kertsch, die vom russischen Festland auf die Halbinsel Krim führt.
Merz kann für seine Vabanquestrategie alles riskieren, kann auf die Unterstützung sowohl aus der eignen Partei, wie auch der Grünen bauen. Die SPD hält sich mit dem amtierenden Verteidigungsminister Boris Pistorius noch bedeckt, schließt aber eine Unterstützung des Merzschen Ansinnens nicht generell aus. Merz ist sicherlich bewusst, dass er die deutsche Bevölkerung ins volle Risiko setzt. Nach allen Verlautbarungen aus Moskau zum Thema, wäre mit russischen spiegelbildlichen Angriffen in Deutschland zu rechnen. Das aber wäre dann nichts anderes als der Beginn eines großen Krieges in Europa.
Noch kann man es verhindern!
Wer also sich die Forderung der Taurus-Lieferungen zu eigen macht, ist entweder völlig ahnungslos oder aber würde bewusst einen Kriegseintritt Deutschlands riskieren. Beides sollte ein Ausschlussgrund für künftige Regierungsmitglieder in Deutschland sein. Wer sich aber anschaut, wie das künftige Kabinett Merz zusammengesetzt ist, muss große Zweifel haben, dass die Kriegsbesoffenen dort nicht künftig unwidersprochen den Ton angeben und mit ihren Entscheidungen die Bevölkerung in Deutschland aufs Äußerste gefährden werden. Allen voran der designierte Außenminister, den die CDU zum ersten Mal seit 60 Jahren stellen soll, Johann Wadephul, sprach sich dafür aus, dass „alle Optionen auf dem Tisch liegen müssen“. Das Zaudern bei den Waffenlieferungen in den letzten Jahren, „habe Putin nur ermutigt“. Wer so wie Wadephul redet, der will den Krieg.
Merz und Wadephul bringen Deutschland in eine Vabanquesituation. Vabanque: Das ist eine Spielstrategie, die auf die Höhe der gesamten Bankeinlage setzt. Das Problem hier aber ist, dass die Kriegsbesoffenen mit dem Leben der Bevölkerung in Deutschland spielen.
Es gilt den Kriegstreibern in den Arm zu fallen. Noch ist es Zeit eine Koalition mit der Union zu verhindern.
Quelle: Overton-Magazin
Foto: European People’s Party, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, bearbeitet

