Deutschland und die Eurozone im Niedergang
Der wirtschaftliche Abstieg ist selbstverschuldet, denn zu einer Politik der Emanzipation von den USA ist man in Berlin schlicht nicht willens und als politisches Personal des Niedergangs zu sehr verbunden mit den US-Investmentfonds. Kolumne von Sevim Dagdelen im Overton-Magazin vom 10. September 2025.
Alle Zeichen in Deutschland und der Euro-Zone weisen auf einen massiven wirtschaftlichen Niedergang hin. In Deutschland sanken die Exporte im Juli um 0,6 Prozent. Im gesamten Euro-Raum gab es im Juni ein Minus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat bei der industriellen Produktion. Die Konjunktur in der Eurozone stagniert. In Deutschland und Italien geht es bereits bergab. Und Frankreich droht, sich mit einem exzessiven Kürzungsprogramm in die Depression zu katapultieren.
Auffällig ist, dass der Absturz Deutschlands und Europas durch die eigene geopolitische Orientierung noch beschleunigt wird. So ist der Einbruch der deutschen Exportwirtschaft besonders signifikant bei Ausfuhren in die USA und nach China. Wegen der hohen Zölle, die von US-Präsident Donald Trump eingeführt wurden, sind die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten in Gefahr. So brachen die deutschen Ausfuhren in die USA im Juli gegenüber dem Vormonat um 7,9 Prozent ein, weil viele Exporte aufgrund der ab dem 1. August 2025 geltenden 15-prozentigen Zölle vorgezogen worden waren. Jetzt mangelt es insgesamt an Nachfrage. Bei China gab es ein Minus von 7,3 Prozent.
Sekundärsanktionen gegen chinesische Unternehmen
Die Bundesregierung trägt ein großes Maß an Verantwortung für diese Negativentwicklung. Berlin hat sich sicherheitspolitisch so sehr an die USA gekettet, dass wenig Spielraum für eigene Entscheidungen zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der eigenen Bevölkerung bleibt. Die asymmetrische Handelspolitik zum Vorteil der USA wurde in Berlin einfach nur abgenickt – wissend, dass dies zu großem wirtschaftlichem Schaden im eigenen Land führen würde. Zugleich lässt sich die Bundesregierung im US-Wirtschaftskrieg gegen die BRICS in die erste Reihe schieben. So wurden gemeinsam mit der EU wegen des Ukraine-Krieges sogenannte Sekundärsanktionen gegen chinesische Unternehmen erlassen – auch hier mit einer Dynamik, die im Falle der Erfolglosigkeit in der Durchsetzung des Ansinnens auf eine weitere Verschärfung der Sanktionen gegen China setzt. Verwundert reibt man sich jetzt die Augen, dass China seinerseits eine Steuer auf Luxusautos eingeführt hat, die vor allem deutsche Hersteller wie Porsche und Mercedes trifft.
Der Pakt mit den USA wirkt wie ein Mühlstein um den Hals für die deutschen Konjunkturaussichten und die Konjunktur des Euro-Raums. Man führt die Abnutzungskriege Washingtons, die man nicht gewinnen kann und die den eigenen Absturz beschleunigen. Bundeskanzler Friedrich Merz macht, was der US-Präsident von ihm fordert.
Selbstverschuldeter Abstieg
In der Krise spitzt sich das Vasallenverhältnis gegenüber dem großen Bruder in Übersee erneut zu. Besonders prekär ist die willfährige Bereitschaft, das Verhältnis zu China zu verschlechtern. In Deutschland wurde die Wucht der deutsch-japanischen Rüstungskooperation für die Perspektive der Beziehungen zu China wahrgenommen. In Asien fühlt man sich an das geheime deutsch-japanische Militärabkommen vom 17. Mai 1937 im Rahmen des Anti-Komintern-Pakts erinnert. Dieses beinhaltete neben der militärischen Zusammenarbeit eine geopolitische Kooperation zur Zersetzung der Sowjetunion im Kaukasus und in Zentralasien – auch, um die japanische Kolonisierung Chinas zu flankieren.
Berlin spielt Schach wie ein blutiger Anfänger, der noch lernen muss, dass der ausgemachte Gegner vielleicht anders zieht, als erwünscht. Und: Die Bundesregierung spielt hier den Gernegroß. Eine Atommacht wie Russland herauszufordern, reicht ihr nicht – jetzt soll es auch noch gegen Peking gehen. Und später, wenn es an die Folgen geht, reibt sich Klein-Fritzchen die Augen und heult: „Das habe ich nicht gewollt.“
Den eigenen wirtschaftlichen Niedergang möchte man daher gerne Dritten anlasten. Der Abstieg ist aber allein selbstverschuldet, denn zu einer Politik der Emanzipation von den USA ist man schlicht nicht willens und als politisches Personal des Niedergangs zu sehr mit den Interessen von US-Investmentfonds verbunden. So bleibt nur das sinnlose Selbstopfer – als wolle man den Schluss der Nibelungen-Sage im Kanzleramt in diesen Tagen erneut aufführen, jedoch nicht als Tragödie, sondern als Farce.
Quelle: Overton-Magazin
Foto: Overton-Magazin – Das Bild wurde mittels KI erstellt.

