Welthandelskrieg

Die Zollpolitik der Amerikaner gegen die Chinesen, soll offenbar die globale Hegemonie der Vereinigten Staaten erhalten. Kolumne von Sevim Dagdelen im Overton-Magazin vom 8. April 2025.

Nachdem sich der Pulverdampf der Tarifzölle von US-Präsident Donald Trump etwas gelichtet hat, wird deutlich, worum es im Kern geht: Um nichts weiter als einen Krieg gegen China, der bislang zwar ohne Waffen, aber mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln als Wirtschaftskrieg ausgefochten wird.

Denn China dreht nicht bei und schickt auch kein Verhandlungsteam nach Washington. Ziel ist die Entkopplung der Wirtschaft der USA von der chinesischen Ökonomie, verbunden mit der Hoffnung, dass China isoliert und so der Niedergang der USA aufgehalten werden kann. Verräterisch ist dabei die Sprache des Ultimatums auf der einen Seite. So forderte US-Präsident Trump von China ultimativ eine Rücknahme der Gegenzölle, ansonsten würden die Zölle auf chinesische Waren auf insgesamt 104 Prozent ausgeweitet.

Kaum vorstellbar, dass angesichts dessen weiter eine Einfuhr chinesischer Waren in die USA stattfinden wird. Dass es um die Aufrechterhaltung der einen Vorherrschaft mit quasi kolonialen Zügen geht, wurde auch durch die Bemerkung von Vizepräsident Vance deutlich, der im Eifer des Gefechts gleich alle Chinesen kollektiv als Bauern betitelte. Bei seinem Japan-Besuch sprang auch der Sekretär des US-dominierten Militärpakts NATO, Rutte, mit ein in die Eskalation gegen China.

China hat sich vorbereitet

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Erneuerung des transatlantischen Vasallenverhältnisses unter den Bedingungen einer Präsidentschaft Trumps. So sprang EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen im Grunde den USA bei und forderte China zur Mäßigung auf. Eine völlig verkehrte Brüsseler Welt. Zugleich sind die EU-Gegenzölle etwa auf Mais und Geflügel als stilles Einverständnis mit den Strafzöllen der USA zu werten. Wieder einmal ordnet sich Europa den USA und ihrem Versuch willfährig unter, den wirtschaftlichen Niedergang im globalen Maßstab aufhalten zu können, auch wenn es den eigenen Ruin bedeutet.

Die besonders harten Maßnahmen Trumps gegen Vietnam und Kambodscha sind indes der Versuch zum einen die chinesische Industrie zu treffen, die insbesondere auf Vietnam ausgewichen war – und zum anderen soll, wenn sich Vietnam der Trumpschen Politik unterwerfen sollte, auf eine Frontstellung des Landes gegen China gebaut werden. Zwar gab es in den USA Stimmen, dass dies auch eine weitere Annäherung Vietnams an China nach sich ziehen könnte, Trump aber ist auch hier ein Vabanque-Spieler. Der Welthandelskrieg gegen China ist offenbar aus seiner Sicht der letzte erfolgversprechende Versuch, die Hegemonie der USA zu erhalten. Nur so lässt sich auch die Janusköpfigkeit Trumps in punkto Frieden erklären.

Während man gegen den Hauptfeind China auf die absolute Eskalation setzt, wird gegenüber Russland eine Beendigung des Stellvertreterkrieges in der Ukraine angestrebt. Einen Zwei-Fronten-Krieg will und kann man sich nicht leisten. Offen bleibt, ob hier nicht die Europäer mit eigenen Ressourcen übernehmen sollen und zum Haupteskalationstreiber im Westen werden, während man sich in Washington die Hände in Unschuld wäscht. Vieles aber deutet darauf hin, dass der Wirtschaftskrieg gegen China ähnlich ausgehen wird, wie die Sanktionsorgie gegen Russland. China hat sich in den letzten Jahren vorbereitet und die Exporte in die USA bereits massiv reduziert. Der Versuch einer Isolierung Pekings dürfte mit einer massiven Selbstschädigung enden – und mit wachsender internationaler Einsamkeit der Trump-Administration.

Quelle: Overton-Magazin

Foto: Pixabay

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